Pikante Personalie

MdR Frank Lange kommentiert eine erneut schwerwiegende Fehlentscheidung des Hauptausschusses anhand des nachfolgenden, heute im Schenefelder Tageblatt erschienenen Artikels “Kaysers Nachfolger ist ein Berliner”.

Nachdruck mit freundlicher Genehmigung des Schenefelder Tageblatts und der Autorin Katy Krause

4. August 2011 | 00:15 Uhr | von krk

SCHENEFELD. Seit Dienstagabend steht es fest: Der Nachfolger von Melf Kayser, der den Fachdienst Zentrale Aufgaben übernimmt, kommt nicht aus dem eigenen Haus, sondern aus Berlin. Axel Hedergott leitet ab Oktober den Fachdienst für Öffentliche Sicherheit, Jugend, Bildung und Soziales.

Damit folgt der Hauptausschuss dem Vorschlag von Verwaltungschefin Christiane Küchenhof (SPD). Sie hatte sich für den 61-Jährigen stark gemacht. “Er bringt sehr viel Lebenserfahrung mit. Er wird die Dinge mal aus einem ganz anderen Blickwinkel betrachten – gerade weil er von außen kommt”, begründet Küchenhof ihre Wahl. Dabei gab es unter den nur elf Bewerbern auch einen aus dem Schenefelder Rathaus. Doch Hedergott punktete mit seiner Leitungs- und Führungserfahrung. So baute er die Verwaltung in Kentzin auf, war Finanzrat im 250 000 Einwohner großen Potsdam. Zuletzt leitete er das Amt “Bildung und Freizeit” in Weyhe bei Bremen – allerdings nur sechs Monate lang.

Der neue Mann, der ab Oktober den mit 44 Mitarbeitern größten Fachbereich im Rathaus übernimmt, ist umstritten. Der Hauptausschuss stimmte hinter verschlossenen Türen nicht einstimmig für ihn. Fakt ist: Aufgrund seines Alters ist Hedergott nur eine Lösung auf Zeit.

Kommentar:

Ein Nachfolger für Melf Kayser sollte gefunden werden, aber die getroffene Wahl muss verblüffen. Gut, der von der Bürgermeisterin im Hauptausschuss durchgedrückte Kandidat hat das SPD-Parteibuch und verbreitet Hauptstadt-Flair. Dies wird wahrscheinlich bereits als hinreichende Qualifikation angesehen.

Dass der Kandidat in seinem letzten Job in Weyhe gerade einmal sechs Monate gehalten hat, dafür mag es gute Gründe geben. Die Kreiszeitung hatte am 4. November 2010 geschrieben: “Kaum da – schon wieder weg. Der Fachbereichsleiter Bildung und Freizeit, Axel Hedergott (59), und die Gemeinde Weyhe lösen den Anstellungsvertrag zum Monatsende auf. Damit endet das Beschäftigungsverhältnis des ehemaligen Berliner Finanzstadtrats (SPD) mit Ablauf der Probezeit.”

Dass die Berliner Morgenpost am 5. Juni 2008 nach fünf gescheiterten Wahlgängen über den Ex-Finanzstadtrat schrieb “Der frühere Mitarbeiter von Ex-Bürgermeister Werner Salomon und spätere Amtsdirektor von Ketzin (Havelland) war über Streitereien um Immobiliengeschäfte des Bezirks gestolpert.”, mag uns an dieser Stelle auch nicht weiter interessieren. Denn als Mitglied des Finanzausschusses werde ich auch nur ansatzweise unkoschere Immobiliengeschäfte schon zu verhindern wissen, soweit die Stadt davon betroffen sein sollte.

Dem Vernehmen nach will der Bewerber von montags bis freitags seine Arbeit in Schenefeld verrichten und am Wochenende nach Hause nach Berlin fahren. Das sollte man dem Kandidaten auch nicht entgegen halten, wenngleich es natürlich nicht unbedingt ein starkes Pro-Argument für ihn ist.

Aber ich frage mich: warum bilden wir eigentlich im Rathaus junge, talentierte Menschen aus und schicken den Nachwuchs auf teure Verwaltungsfachhochschulen, wenn wir ihnen keine Aufstiegchancen bieten und sie bei der Besetzung einer wichtigen Position einfach übergehen? Diese Ausbildung kostet uns Jahr für Jahr einige Zehntausend Euro und ist angesichts der gestrigen Entscheidung ja fast aus dem Fenster geworfenes Geld.

Es hat laut Zeitungsbericht einen Bewerber aus dem Rathaus gegeben, und diesen wird jeder, der ihn kennt, als jung, aber erfahren genug, kompetent, in Schenefeld verwurzelt, sehr gut vernetzt und bestens ausgebildet ansehen.

Die Besetzung der Leitung Fachdienst für Öffentliche Sicherheit, Jugend, Bildung und Soziales mit einem jungen Kandidaten aus dem Rathaus hätte im Zuge von Nachfolgebesetzungen interessante Rochaden innerhalb des Rathauses ermöglicht. So hätte kompetenter Nachwuchs gleich auf mehreren Positionen seine Chance erhalten, die Motivation der gesamten Verwaltung wäre schlagartig gestiegen – jetzt kann man eigentlich nur mutmaßen, dass sie schlagartig gesunken ist – und wir hätten uns mit der Neubesetzung von innen ein hohes fünfstelliges Gehalt sparen können, das unseren Haushalt jetzt zusätzlich belastet. Ist Haushaltskonsolidierung nur noch ein wertloses Lippenbekenntnis?

Die Entscheidung gegen die eigenen Mitarbeiter ist beschämend. Wer diese Entscheidung getroffen hat, hat meines Erachtens nach von Personalplanung sowie Mitarbeiterführung und -motivation überhaupt keine Ahnung.

Frank Lange

CDU-Fraktion Schenefeld
Mitglied der Ratsversammlung

Frank Lange


Web Design by frago.

Schlagworte: , , , ,

1 Kommentar zu „Pikante Personalie“

  1. Anna M. Wachter sagt:

    …sehr kluger und weiser Kommentar von Herrn Lange, dem ich aus dem fernen Berlin ganz und gar zustimmen kann….

Kommentieren